Mein zweites Ich im Netz

Aufklärung im Umgang mit sozialen Netzwerken – Vortrag zu Privatsphäre im Internet von Dr. Katharina Zweig

Nach dem musikalischen Programm der charmanten „Polka Dots” sowie unserer ehemaligen Schülerin Nina Zschau begrüßte der geschäftsführende Schulleiter Uwe Rahn die Zuhörer und dankte dem Förderverein für die Bewirtung. Referentin Dr. Katharina Zweig eröffnete ihren Vortrag zum Thema ‚Privatsphäre in Zeiten von Facebook’ mit einer Frage an das Publikum: „Wozu sind soziale Netzwerke denn gut?” Sich auf sozialen Netzwerken zu bewegen, bringe durchaus Vorteile mit sich. Man könne Freunde mit denselben Interessen finden, Fotos hochladen, Spiele spielen und sich mit alten Bekannten vernetzen. Ein wichtiger Punkt sei auch, den eigenen Namen vor Missbrauch zu schützen, indem man die eigene Identität im Netz präsentiere: „Es ist doch besser, wenn ich mit meinem Namen ein Profil erstelle, bevor jemand anderes das tut.”

Natürlich gäbe es auch Gefahren, deren sich der Nutzer nicht immer bewusst sei. Zweig rät unter anderem davon ab, Emailadresse und Wohnort zu veröffentlichen. Einerseits, um sich vor Spam-Emails zu schützen. Andererseits, um Datenmissbrauch zum Beispiel durch so genannte „Mash-ups” zu verhindern. „Mash-ups sind Programme, die die Daten einer Person auf verschiedenen Netzwerken oder Seiten zusammenführen.” Dies fördere die Kriminalität im realen Leben: ist der Wohnort einer Person auf Plattform X zu sehen und dieselbe Person schreibt auf Plattform Y, sie sei drei Wochen im Urlaub, vereinfache dies kriminelle Handlungen wie Einbrüche oder Erpressung. „Solche ‚Mash-ups’ sind billig”, sagte Zweig, „wenn von hunderten Versuchen nur eine Person gefunden wird, lohnt sich das. Behalten Sie deshalb immer im Hinterkopf, dass soziale Netzwerke Privatsphäre nur suggerieren. Für die tatsächliche Privatsphäre sind Sie schlussendlich selbst verantwortlich!”

Die Betreiber sozialer Netzwerke stellen die Plattformen nicht kostenlos bereit, um den Nutzern die Kommunikation miteinander zu ermöglichen. Ziel sei vor allem das Marketing von Produkten und Verkaufsaktionen. „Firmen kaufen sich ganz legal die Rechte, die Daten von Nutzern weiter zu verarbeiten. Klicken Sie auf ‚Gefällt mir’, werden vermutlich auch Ihre Freunde die Seite des Produkts mögen. Also werden in Zukunft auch Ihre Freunde auf dieses Produkt aufmerksam gemacht.”

Aber nicht nur Produkte sollen verkauft werden, soziale Netzwerke wollen natürlich auch Daten von weiteren potentiellen Nutzern erfahren. „Deshalb werden Sie gefragt, ob Sie Ihr Email-Adressbuch hochladen wollen. Tun Sie das nicht, denn dann werden Ihre Kontakte direkt angeschrieben und die Emailadressen Ihrer Bekannten sind im Netz.” Und dann heißt es: Einmal im Netz, immer im Netz. Daten, die sie einmal veröffentlich haben, können gelöscht werden. Aber sie können auch wieder gefunden und reaktiviert werden.

Das Fazit des Abends lautete dennoch: „Legen Sie sich ein Profil an. Denn wenn Sie einfache Regeln beachten, können Sie Ihre Privatsphäre schützen: geben Sie keine Kontaktdaten preis, wählen Sie starke Passwörter, machen Sie Fotos nur Freunden zugänglich und laden Sie keine Fotos ohne die Erlaubnis der abgebildeten Personen hoch.”

Auch die Eltern fühlten sich nach dem Vortrag besser aufgeklärt: „Internet ist heute nun mal nicht mehr aus dem Alltag wegzudenken. Wir Eltern haben – seien wir ehrlich – meistens nicht viel Ahnung. Und die Reaktion vieler ist, Kindern die Nutzung sozialer Netzwerke zu verbieten. Aber mit einem Verbot ist es nicht getan, denn dann machen Kinder so etwas heimlich. Viel wichtiger ist es, den ‚Feind’ kennenzulernen und zu wissen, wo die Chancen und Gefahren liegen.” Aufklärung sei immens wichtig, betonte auch Dr. Zweig. Sie rät Eltern, das Gespräch mit ihren Kindern zu suchen. „Und fragen Sie sich immer: Will ich das, was ich ins Netz stelle, in zehn Jahren immer noch im Netz sehen?”

2012-03-13T13:42:44+00:0013.03.2012|Prävention|